Wertverlust in Relation zu Versicherungskosten und Lebensdauer von Smartphones

Inzwischen werden von den etablierten Smartphone-Herstellern jedes Jahr neue High-End-Geräte veröffentlicht, die beim Verkaufsstart enorm hohe Preise verlangen. Inwiefern ist es dementsprechend möglich, das eigene Smartphone langfristig zu erhalten, um einen hochpreisigen Neukauf zu vermeiden? Oder präsentiert sich ein Neukauf aufgrund einer schwankenden Preisstabilität und enormer Versicherungskosten attraktiver als eine Reparatur? Im Folgenden wird betrachtet, wie preisstabil die aktuellen Smartphones von Apple und Samsung – sowie ein älteres Modell von Huawei zum Vergleich – sind und wie die Reparaturkosten der am häufigsten betroffenen Bestandteile aussehen, um zu einem sinnvollen Fazit im Hinblick auf die gestellten Fragen zu kommen.

  1. Wertverlust und Reparaturkosten von Smartphones
    1. Wertverlust von Samsung Geräten
    2. Wertverlust und Reparaturkosten von Huawei Smartphone
    3. Wertverlust und Reparaturkosten von Apple Smartphones
  2. Überlick zu Versicherungskosten

Lebensdauer

Ein Smartphone kann aus verschiedenen Gründen bereits vor dem Ende der Lebensdauer an Wert verlieren und ersetzt werden, zum Beispiel, wenn bessere technische Modelle auf den Markt kommen oder ein neuer Trend vorherrscht. Im Hinblick auf die Obsoleszenz – die Alterung eines Produktes – gibt es drei unterschiedliche Formen: die werkstoffliche Obsoleszenz (Defekte aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit von Komponenten; betroffen sind etwa Verschleißteilen wie Akkus), die funktionale Obsoleszenz (rasch verändernde technische und funktionale Anforderungen an ein Produkt) und die psychologische Obsoleszenz (die vorzeitige Alterung von Produkten aufgrund von neuen technischen Trends) (vgl. Oehme et al. 2019: 143). All diese Formen können zu einem kurzlebigen Smartphone führen.


Mehr zur durchschnittlichen Lebensdauer eines Smartphones

Nutzungsende von Smartphones aufgrund technisch-mechanischer Mängel

Aufgrund von wechselnden Trends oder technischen Neuerungen werden heutzutage häufig Produkte entwertet, die jedoch nach wie vor funktionstüchtig sind. Bei einer Umfrage von den ForschernNina Tröger, Harald Wieser und Renate Hübner (2017: 90) gaben 31 % der Befragten an, dass ein Mangel der Grund für einen Austausch des Smartphones war. Dementsprechend ist ein technisch-mechanischer Schaden der Grund für das Nutzungsende eines Smartphones, der am häufigsten genannt wurde. Dabei präsentierte sich ein defekter Akku in etwa 40 % der Fälle als der häufigste Mangel, der zu einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit führte. Eine Reparatur zog dabei lediglich jeder Dritte in Betracht.

Häufige Gründe, weswegen ein Ersatzkauf einer Reparatur vorgezogen wird, stellten dabei der hohe Zeitaufwand und die erwarteten Kosten dar, die bei der Reparatur resultieren. Relevanz besitzt in dieser Befragung der Umstand, dass viele Konsumenten eine Reparatur nur dann als sinnvoll bewerteten, wenn ein Schaden noch innerhalb der Garantielaufzeit auftritt oder das Gerät noch als besonders neu empfunden wird, das sich im gutem Zustand befindet. Darüber hinaus äußerten einige der befragten Personen, dass sie Zweifel daran hätten, dass heutige Geräte noch lange halten würden und eine Reparatur tatsächlich eine lohnenswerte und längere Nutzungsdauer ermöglichen könnte (vgl. Tröger & Wieser & Hübner 2019: 92). Entsprechend dieser niedrigen Erwartungen an die Nutzungsdauer tendieren Konsumenten eher zum Neukauf.

Insgesamt ist anzunehmen, dass die Erstnutzung von Smartphones – bevor das Gerät weitergegeben oder entsorgt wird – im Durchschnitt 2,5 Jahre beträgt.

Wertverlust und Reparaturkosten von Smartphones

Hinsichtlich der vergleichsweise kurzen Lebensdauer von circa 2,5 Jahren ist anzunehmen, dass innerhalb dieser Zeit einige Bestandteile ausgewechselt werden. Welche Komponenten bei den aktuellen Geräten von Samsung und Apple am häufigsten defekt werden und welche Kosten für die Reparatur anfallen können, wird im Folgendem dargestellt. Mit dem Huawei Mate 20 Pro wird ein Gerät betrachtet, das bereits seit dem April 2018 auf dem Markt ist und dementsprechend einen vergleichsweise langfristigen Einblick in die Relation zwischen Wertverlust und Reparaturkosten liefert.

Kaum vorhandene Preisstabilität

Bei der Betrachtung des Wertverlusts ist besonders die Tatsache relevant, dass der zeitliche Abstand zwischen den Aktualisierungszyklen für die Generationen der Smartphones immer geringer wird. Dementsprechend sinkt der Marktwert des Geräts schon ab dem Erscheinungstermin. Dieser Wertverfall tritt dabei auch dann ein, wenn das Smartphone gar nicht genutzt wurde.

Samsung Galaxy Wertverlust

Beispielsweise erscheinen jedes Jahr von Samsung zwei neue Galaxy-S-Modelle. Der zu diesem Zeitpunkt festgelegte Neuwert ist auf Dauer zu hochpreisig, sodass bereits kurz nach der Veröffentlichung die Preise stetig sinken. Während das Galaxy S9 zum Marktstart beispielsweise eine unverbindliche Preisempfehlung von 849 € aufwies, präsentierte es nur sieben Monate später einen Kaufpreis, der um die 530 € betrug – ein Preisverfall von circa 37,6 %. Innerhalb des gleichen Zeitraums senkte sich auch der Preis des Galaxy S8 von 799 € auf 520 €, sodass ein Preisverfall von 34,2 % vorlag. Es kann angenommen werden, dass ein ähnlicher Preisverfall ebenfalls bei folgenden Geräten der Reihe auftreten wird. Mit 899 € zur Veröffentlichung kostete das Samsung Galaxy S10 etwas mehr als sein Vorgänger, inzwischen beläuft sich der Preis jedoch auf etwa 650 € – ein Preisverlust von etwa 27,7 % sieben Monate nach der Erscheinung.

Reparaturkosten Samsung Galaxy S10

Anhand von Reparaturanfragen können Übersichten resultieren, die darüber berichten, welche Einzelteile am meisten beschädigt werden und demnach eine Reparatur dieser Teile angestrebt wird. Bei dem Samsung Galaxy S10 präsentiert sich das Display mit 46,8 % als die häufigste Reparatur, die angefragt wurde. Beispielsweise reagiert das Display nach einem Sturz nicht mehr, die Hintergrundbeleuchtung funktioniert nicht, Pixelfehler treten auf, das Displayglas reißt ein, zerkratzt, springt oder zersplittert. Im Anschluss folgen mit 13,8 % Schäden am LCD-Display und zu 11,8 % am Displayglas-Touchscreen.

Problematisch hierbei wird, dass die einzelnen Bestandteile der Sensorik und des Touchscreens fest miteinander verklebt sind, sodass eine Vielzahl von Schäden am Display nicht direkt repariert werden kann. Demnach muss die gesamte Einheit des Smartphones ausgewechselt werden, sodass hohe Kosten zwischen 230 € und 360 € resultieren können.

Die Reparatur des Backcovers wird zu 11,3 %, die der Kamera zu 3 % und die des Akkus zu 2 % angefragt. Ist das Backcover beschädigt, dann können mit der Zeit Feuchtigkeit und Staub in das Gerät eindringen und weitere Schäden bedingen. Die Preisspanne für eine Reparatur des Backcovers umfasst dabei etwa 70 € bis 110 €. Entlädt sich der Akku des Samsung Galaxy S10 sehr schnell oder eine neue Aufladung ist gar nicht mehr möglich, dann fallen für die Reparatur zwischen circa 65 € und 86 € an. Unscharfe Bilder oder eingeschränkte Kamera-Funktionen können hingegen für 45 € bis zu 170 € ersetzt werden.

Huawei Mate 20 Pro Wertverlust

Mit dem Hersteller Huawei finden sich weitere Smartphone-Modelle, die das Betriebssystem Android verwenden. Im Laufe der Zeit etablierten sich die Smartphones von Huawei auf dem Markt. Galten sie zu Beginn noch als Geheimtipp, so erzielen die Geräte inzwischen ebenfalls hohe Kosten bei der Veröffentlichung. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Huawei P20 Pro lag bei der Einführung im April 2018 bei 849 €. Etwa sieben Monate später zeigte sich ein Preisverfall von circa 29,44 %. Mit dem folgenden Huawei Mate 20 Pro zeigte sich im gleichen Zeitraum sogar ein stärkerer Wertverlust von rund 45 %: Der Startpreis von 999 € fiel in sieben Monaten auf 550 €. Das im März dieses Jahres veröffentlichte Huawei P30 (Startpreis: 749 €) kann inzwischen sogar für 475 € erworben werden.

Reparaturkosten Huawei Mate 20 Pro

Bei dem Huawei Mate 20 Pro ist eine Reparatur ebenfalls am häufigsten bezüglich des Displays angefragt (36,8 %). Displayglas-Touchscreen und LCD-Display sind in 12,3 % der Fälle von Schäden betroffen. Auch bei dem Huawei Mate 20 Pro können die Sensorik, der Touchscreen usw. nicht einzeln entnommen und ausgewechselt werden, wodurch nach einem fatalen Sturz, Pixelfehlern und einem zerkratzten Displayglas die ganze Einheit getauscht werden muss, um den Schaden zu beheben. Dementsprechend ist dieser Vorgang weiterhin sehr hochpreisig: Die Preisspanne liegt bei circa 290 € bis 340 €.

Das Backcover bedarf zu 26,3 % einer Reparatur, deren Preisspanne ungefähr 114 € bis 130 € umfasst. Sind Ladekabel-/USB-Anschlüsse defekt, liegen die Kosten für die Ersetzung der fehlerhaften Bauteile bei etwa 59 € bis 89 €. Die Reparatur eines kaputten Akkus könnte zwischen 84 € und 89 € kosten.

Apple iPhone Wertverlust

Apple als exklusiver Nutzer von iOS konnte die Produkte wesentlich länger stabil im Preis halten. Limitierte Auflagen und Produktionsengpässe garantierten jahrelang eine solide Preisstabilität und sogar einen Preisanstieg.

Zwar gestaltet sich der Preisverfall bei Apple etwas geringer als bei der Konkurrenz, mit der Zeit weisen die hohen Preise bei der Markteinführung jedoch ebenfalls eine merkliche sinkende Tendenz auf. Lag der Preis für das iPhone X zur Veröffentlichung noch bei 1149 €, ist das Gerät aktuell in der 64-Gbyte-Version für circa 964 € erhältlich. Sieben Monate nach der Veröffentlichung fiel der Preis des iPhone 8 von 799 € auf 660 €, der Preisverlust ist mit circa 17,4 % noch nicht so hoch wie bei den Samsung- und Huawei-Modellen. Bei dem folgenden iPhone XR präsentierte sich der Wertverfall mit rund 20,1 % minimal erhöht: von 849 € sank der Preis auf 678 €.

Reparaturkosten iPhone X

Für das Apple iPhone X geht hervor, dass mit 48,8 % auch hier die Reparatur des Displays am häufigsten notwendig ist. Eine Reparatur des Displayglas-Touchscreens folgt sodann mit einer Häufigkeit von 7,9 % und die Reparatur des LCD-Displays mit 5,8 %. Genau wie beim Samsung Galaxy S10 sind auch beim iPhone X die einzelnen Bestandteile fest miteinander verklebt, sodass die komplette Einheit getauscht werden muss. Reagiert das Display nicht mehr auf Eingaben oder ist das Displayglas gesprungen, dann können die Kosten stark zwischen 110 € und 315 € schwanken.

Mit 29,4 % häufen sich zudem die Schäden am Backcover. Möchte man die beschädigte Rückschale des iPhone X austauschen, dann befinden sich die möglichen Preise zwischen circa 180 € und 359 €. Nicht so häufig auftretend aber dennoch nicht weniger preisintensiv sind Reparaturen des Akkus (57 € bis 89 €), der Anschlüsse (65 € bis 100 €) und der Kamera (50 € bis 150 €).

Überblick zu den Versicherungskosten für Smartphones

Angesichts dieser hohen Reparaturkosten für einerseits leicht verursachte und andererseits auf lange Sicht fast unausweichliche Schäden können präventiv abgeschlossene Versicherungen die Zahlungen entlasten. Die Kosten für eine Versicherung können pro Monat von 4,49 € bis 19,90 € reichen. Hinzu kommen variable Selbstbeteiligungssummen von 30 € bis 100 € oder innerhalb eines Rahmens von 10 % des Kaufpreises. Einige preiswerte Versicherungen müssen innerhalb der ersten drei Monate nach Erwerb des Smartphones abgeschlossen werden – für ältere Modelle sind ab diesem Zeitpunkt teilweise nur noch preisintensivere Versicherungen verfügbar. Des Weiteren können die zu beachtende maximale Deckungssumme und weitere variierende Konditionen die Qualität der Versicherung entscheidend beeinflussen.

Für eine durchschnittliche Lebensdauer von 2,5 Jahren (30 Monate) zahlt man mit einer abgeschlossenen Versicherung sodann zwischen 134 € und 597 €. Mit einem Preisverfall von 27,7 % von 899 € auf 650 € in nur sieben Monaten ist anzunehmen, dass das Samsung Galaxy S10 nach einem Jahr einen Preis von ungefähr 530 € haben könnte. Da der Wert nicht dauerhaft stetig sinkt, bis er absolut auf 0 € fällt, sind weitere Prognosen ungenau. Je nachdem, welche Leistungen zu welchen Konditionen abgedeckt werden, können sich die Kosten so weit addieren, dass sie den derzeitigen Wert übersteigen. Besonders sehr leistungsfähige jedoch vergleichsweise kostengünstige Smartphones wie das Huawei Mate 20 Pro besitzen Reparaturkosten, bei denen einerseits abgeschlossene Versicherungen vor größeren Zahlungen bewahren können, andererseits kann bei steigendem Wertverlust und nach langer Lebensdauer des alten Modells die Möglichkeit eines Neukaufs nicht ausgeschlossen werden. Trotz augenscheinlicher hoher Kosten können bei den meisten High-End-Geräten Reparaturen und Versicherungen jedoch weiterhin lohnenswert sein und einem kostenintensiveren Neukauf entgegenwirken.

Fazit

Je nach Art der werkstofflichen Obsoleszenz und des Anbieters der Reparatur variieren die Preise für Reparaturen deutlich. Smartphones können schnell mal beim täglichen Gebrauch Schaden erleiden – eine Reparatur verhindert zwar den Neukauf eines Geräts, doch wie sehr sich dieses Vorgehen lohnt, hängt stark vom Handymodell ab. Kosteten Ersatz-Displays in der Vergangenheit lediglich um die 40 €, so können sowohl bei den aktuellen Produkten Samsung Galaxy S10 und iPhone X als auch bei älteren Geräten wie das Huawei Mate 20 Pro im Durchschnitt über 200 € gezahlt werden. Versicherungen können bei richtig gewählten Konditionen die Kosten hingegen teilweise senken.

Die angestiegenen Preise für Reparaturen lassen sich einerseits damit erklären, dass die Qualität des Glases, wie beispielsweise die Darstellungsqualität und Funktionen wie Fingerabdrucksensoren, je nach Gerät sehr unterschiedlich ist. Da bei den betrachteten Modellen sehr hochwertige Displays vorhanden sind, ist eine Reparatur dieser entsprechend teuer.

Trotz dem stark zunehmenden Wertverlust neuster Modelle bleibt eine Reparatur und eine geeignete Versicherung immer noch lohnenswert, um eine lange Lebensdauer zu garantieren.
Häufen sich Mängel, dann steigen ebenso die Kosten, die in die jeweiligen Reparaturen investiert werden müssen. Einige Schäden lassen sich jedoch nicht aktiv verhindern – nach zwei Jahren Dauernutzung entladen sich auch viele Smartphone-Akkus, sodass Reparaturkosten dieser Art immer bei langer Nutzungsdauer berücksichtigt werden müssen. Steigt jedoch der Trend des Wertverlustes, könnte in Zukunft eventuell der Neukauf des gleichen Modells eine realistische Option werden.

Literaturverzeichnis

OEHME, Ines & Herwig Unnerstall & Susann Krause & Michael Golde, 2019: Strategien, Perspektiven und Grenzen staatlicher Einflussnahme. S. 143–156, in: Erik Poppe & Jörg Longmuß (Hg.): Geplante Obsoleszenz. Hinter den Kulissen der Produktentwicklung. Bielefeld: transcript Verlag.

TRÖGER, Nina & Harald Wieser & Renate Hübner, 2017: Smartphones werden häufiger ersetzt als T-Shirt: die Nutzungsmuster und Ersatzgründe von KonsumentInnen bei Gebrauchsgütern. S. 79–102, in: C. Bala & W. Schuldzinski (Hg.): Pack ein, schmeißʼ weg?: Wegwerfkultur und Wertschätzung von Konsumgütern. Düsseldorf: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. Online unter: https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/56544/ssoar-2017-troger_et_al-Smartphones_werden_haufiger_ersetzt_als.pdf?sequence=1 (Letzter Zugriff: 24.10.19).

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