Helfen Handy Kühler Apps?

Erfüllen Energiespar-Apps ihren Zweck?

Neben der hardwaretechnischen Umsetzung zur Kühlung des Smartphones gibt es natürlich auch die Option auf Softwareebene Optimierungen vorzunehmen. Für Android gibt es beispielsweise eine App, die sich Cooling Master-Phone Cooler nennt und ziemlich gut bewertet ist. Doch sind solche Apps überhaupt sinnvoll und erfüllen diese ihren Zweck?

Jedes Handy wird mit einem passiven Kühlsystem mitgeliefert, dass heißt das Handy hat intern Kühlkörper verbaut, die die Temperatur im Smartphone regeln sollen. Das macht also die Nutzung von Apps zur Temperatursenkung eigentlich überflüssig. Auch besitzen Smartphones interne Steuerungsprozesse, die je nach Last, die Leistung des Systems runter- bzw. hochfahren, um die Wärmeentstehung zu regeln. Allerdings kann die Nutzung einer externen Apps eine Verbesserung mitbringen, denn solche Apps steuern zwar nicht die Leistung des Smartphones, aber sie können geöffnete Anwendungen je nach CPU-Auslastung identifizieren und schließen.

Apple Appstore

Apps belasten die CPU

Es gibt Anwendungen, die zu einer sehr hohen CPU-Auslastung führen, bedingt durch schlechtes Ressourcenmanagement innerhalb der App oder weil die Hardware, die Leistungsanforderungen der App nicht erfüllen kann. Ersteres ist für den Hersteller nur schwer zu beinflussen und daher kann die Nutzung einer externen App schon den einen Leistungsschub mit sich bringen. Clean Master ist eine App, die eine etwas andere Funktion hat und zwar entstehen beim Installieren und Verwenden von Apps, wie auch bei einem Computer, temporäre Daten, die im nachhinein nicht mehr gebraucht werden. Nicht gelöschte temporäre Daten vermüllen das System und bremsen es aus, denn je mehr unnütze Daten im System rumliegen, desto länger braucht das System beispielsweise zusammenhängende Daten zu finden und auszuführen. Zudem wird durch das Löschen von unnötigen Daten mehr Speicherplatz auf dem Smartphone frei und wir können diesen Speicherplatz nutzen für unsere privaten Daten.

Bei leistungsschwächeren Smartphones könnte man meinen, dass die Installation einer solchen App, die Performance aufjedenfall steigern wird. Dem ist allerdings nicht immer so! Bei den CPU-Überwachungs-Tools handelt es sich auch nur um Apps, welche die CPU ebenfalls belasten und Performance abzwacken. Das System wird also vor der Reinigung nochmal langsamer und die kontinuierliche Systemüberwachung frisst sehr viel CPU-Power, daher sollte man sich gut überlegen ob die Nutzung einer solchen App wirklich Sinn macht.

Root-Reche für vollumfängliche Systemsteuerung notwendig, damit die App systeminterne Prozesse steuern kann. In diesem Fall solltest du allerdings besonders vorsichtig sein, denn zum einen entziehen die meisten Smartphone Hersteller einem den Garantieanspruch, wenn du dein Smartphone rootest und zum anderen zerschießt du dir bei falscher Ausführung schlimmstenfall dein Handy und es wird damit unbrauchbar. Nur im besonderen Notfällen oder für experimentelle Zwecke würde ich das Rooten empfehlen.

Individuelles Nutzerverhalten wird nicht berücksichtigt. Jeder Smartphone Besitzer benutzt das Handy auf eine andere Art und Weise und das ist der springende Punkt, die meisten Energiemanagement-Apps berücksichtigen diesen Aspekt nicht oder ist es technisch nicht leicht umzusetzen. Stattdessen werden statische Profile und Methoden zur Reduzierung des Batterieverbauchs angewandt. Die Berücksichtigung des individuellen Nutzerverhalten könnte verwendet werden, um festzustellen in welchen Situationen der Akku am stärktsten entladen wird und dementsprechend wird die Batterie für diesen Kontext vorbereitet. Optimalerweise lernt die App das Verhalten des Nutzers und kann demzufolge ein perfekt zugeschnittenes Energiespar-Profil erstellen. Dafür müsste der App eine gewisse Intelligenz mitgegeben werden oder mit sogenannten KI-Chips wäre die Sammlung bzw. Berechnung der notwendigen Information möglich. Ein anderer Ansatz geht über die Client-Server-Architektur, was bedeutet dass die App regelmäßig Informationen an die Zentralstelle sendet und dort wird dann das passende Profil gefunden und die App wird dahingehend konfiguriert. Diese genannten Punkte sind wichtige Optimierungsschritte und verbessern zudem das Nutzererlebnis und zudem die Batterielebensdauer.

Hersteller interne Steuerungsprozesse

Betriebssysteme wie Android und iOS sind sehr komplexe Betriebssysteme für das Smartphone und bringen gleichzeitig interne Ressourcenmanagementprozesse mit, denn es wäre fatal für die Hersteller auf ein Betriebssystem zu setzen, welches sich kein bisschen bezüglich Ressourcenmanagement interessieren würde. Wir Nutzer wollen ein reibungsloses und ruckelfreies Spieleerlebnis haben und ein kleines Ruckeln empfinden wir bereits als sehr störend. Daher werden die Unternehmen, wie Google, Apple und die ganzen Smartphone-Hersteller, an den Betriebssystem weiter feilen und diese verbessern. Daher stehen Optimierungsapps theoretisch in Konkurrenz mit den Betriebssystembetreibern, das heißt je besser die Betriebssysteme mit den Ressourcen umgehen, desto unwichtiger werden Optimierungsprogramme auf den Smartphones! Allerdings kann bei den Desktop-Betriebssystemen eine Koexistenz von Betriebssystem und externen Optimierungsanwendungen beobachtet werden. Besonders im Falle Windows kann man diese Koexistenz sehr gut beobachten. Ein beliebtes Tools zur Systemoptimierung ist beispielsweise CCleaner, welches hilft das System von unnötigen Daten zu befreien. Schlussfolglich existieren Optimierungsprogramme nur solange, wenn Optimierungsstellen im Betriebssystem vorhanden sind.

Android Memory Management

Die Unternehmen zur Entwicklung von Android, iOS und Windows Phone haben alle ihre eigenen internen Ressourcenmanagementprozesse implementiert. Android händelt die Ressourcen indem es ein sogenannten Garbage Collector verwendet, welcher lediglich prüft welche Ressourcen nicht mehr verwendet werden und befreit diese anschließend damit diese Ressourcen von anderen Prozessen verwendet werden können. Zudem wird der Arbeitsspeicher im Smartphone von verschiedenen Prozessen teilbar gemacht, das bedeutet wenn mehrere Apps gestartet wurden und eine bestimmte App den zugewiesenen Arbeitsspeicher nicht ganz ausnutzten tut, dann wird es einem anderen Programm zur Verfügung gestellt, das steigert die Effizienz der Ressourcennutzung und damit auch die Performance im Smartphone. Mit jedem neuen Release von Android wird der Garbage Collector wahrscheinlich etwas überlegender und effizienter, weshalb die Nutzung von externen Optimierungs-Apps in Frage gestellt werden kann.

Batterie Management Apps

Mittlerweile gibt es eine schier unendliche Anzahl von Apps, die angeblich dafür sorgen sollen,  die Batterielaufzeit des Handys zu erhöhen. Im groben liefern die Apps meistens einen guten Überblick bezüglich des anteiligen Energieverbrauchs einzelner Apps. Oftmals bieten diese auch verschiedene Energiespar-Einstellungsmöglichkeiten an und es lassen sich Apps per Klick sofort schließen. Neben diverser Optimierungstechniken werden auch sehr nützliche Batteriezustandsinformationen angezeigt, wie beispielsweise die tatsächliche Batteriekapazität oder es wird die verbleibende Ladezeit berechnet. Bekannte Apps für Android Smartphones sind zum Beispiel Battery Doctor oder AccuBattery, diese Apps bieten extrem detaillierte und nützliche Informationen zur Batteriegesundheit und der -nutzung an. Mit Hilfe dieser Informationen lässt sich ziemlich gut auf den allgemeinen Zustand der Batterie schließen. Für iOS wird Battery Doctor ebenfalls angeboten, allerdings empfehle ich für das iPhone die App Battery Life. Die App ist nicht überladen mit Statistiken und Informationen und bietet dennoch einen super Überblick über den allgemeinen Gesundheitszustand der Batterie, besonders empfehlenswert für Personen die eine übersichtliche und einfache Bedienoberfläche wünschen.

Pro Batterie Management App

  • Überblick über anteiligen Energieverbrauch der Apps
  • Informationen über Batteriezustand
  • Grafiken und Statistiken zur Visualisierung
  • Energiespar-Einstellungsoptionen

Kontra

  • nervige Werbung, die oftmals stromfressende Werbevideos anzeigt
  • Batterie Management App verbraucht selber Strom
  • interne Ressourcenprozesse des Betriebssystem vorhanden
  • ohne Root-Rechte keine umfängliche Systemsteuerung möglich

Fazit:

Wie bereits erwähnt, bringen alle Smartphones ein passives Kühlsystem mit und haben auch intern Steuerungsprozesse, die die CPU-Auslastung überwachen und je nach Bedarf eingreifen und die Performance der CPU einschränken, um dadurch der Hitzeentwicklung entgegenzuwirken. Daher ist die Nutzung von externen Apps nur bedingt notwendig, wenn vielleicht sogar überflüssig. Besonders bei neuen und leistungsstarken Smartphones ist die Nutzung solcher Apps eher überflüssig. Das Samsung Galaxy S7 verwendet beispielsweise ein passives Kühlsystem mit liquider Kühlflüssigkeit, welches die Temperaturregelung sogar um einiges effizienter und schneller gemacht hat. Auch die internen Prozesse sind sehr effizient und optimiert für ein perfektes Userfeeling. Bevor du also externe Apps auf dein Smartphone installierst, versuche es doch erstmal mit manuellen Optimierungen, so könntest du nicht genutzte Anwendungen deinstallieren und du könntest deine privaten Daten auf einen externes Speichermedium transferieren und so dein Systemspeicher erhöhen. Die Daten müssen dann vom System nicht ständig indexiert werden, sodas das System im gesamten performanter wird. Handy Kühler Apps sind schlussfolglich nicht unbedingt die beste Lösung um das Smartphone schnell zu kühlen und Smartphone Betriebssysteme bringen bereits onboard eigene Resssourcenmanagementprozesse mit, nichtsdestotrotz bieten diese App weitaus mehr Funktionen als nur die Steuerung von laufenden Anwendungen. Es ist möglich die Temperatur zu überwachen, aber auch Analysen durchzuführen, die mögliche kritische Stellen entdeckt. Zudem bieten Handy-Kühler Apps die Möglichkeit diese Prozesse auf einer grafischen Oberfläche zu betrachten, anders als bei den internen Prozessen des Betriebssystem.

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